Folktandvården – Zahnmedizin in Schweden

Der Staat stellt einer Vårdcentral ähnlich Folktandvården zur Verfügung. Fast alle Kinder gehen dorthin, aber nur rund 40% der Erwachsenen. Hier spielt die Konkurrenz eine Rolle, denn neben der Terminverfügbarkeit geht es auch um den Preis.

Zahnarzt – weniger warten, mehr zahlen

Eine Arztgattung steht weitgehend außerhalb des vorgenannten Systems: der Zahnarzt.

Hier gibt es nämlich neben den staatlichen Einrichtungen auch privat praktizierende Ärzte.

Zwar werden viele Leistungen bei Kindern und Jugendlichen von der Krankenkasse bezahlt, aber als Erwachsener muss man das meiste selbst bezahlen. Derzeit ist gültig, dass man je nach Alter 150 kr oder 300 kr pro Jahr für Zahnbehandlungen erhält. Man kann diesen Betrag auch auf zwei Jahre ansparen – man erhält also bis zu 600 kr (ca. 63,50 €) pro Jahr ersetzt. Abgesehen davon zahlt man Rechnungen bis 3000 kr (317,80 €) komplett selbst. Darüber hinaus gibt es einen Kostenschutz, bei dem man darüber hinausgehende Beträge bis zu 85% ersetzt erhält. So zahlt man bei einer Behandlung, die 15000 kr kostet, „nur“ noch ca. 9000 kr.

Einen billigen Zahnarzt zu haben ist also nicht unwichtig, und dies sorgt auch dafür, dass munter die potenzielle Kundschaft umworben wird. Zwar hat dies nicht amerikanische Ausmaße, aber ein Super-Sonderangebot, bei der es aus irgendeinem Anlass nun die erste Kontrolle geschenkt gibt, findet man schon öfters.
Für mich war es ja schon ein Kulturschock, als ich das erste Mal die Praxisgebühr entrichten musste. Hier in Schweden hat der Zahnarzt das Kartenlesegerät praktisch direkt am Behandlungsstuhl.

Eine (potenziell geldsparende) Besonderheit ist der Beruf des Zahnhygienisten (Tandhygienist). Er (bzw. meistens eher sie) führt Kontrollen durch und entfernt Zahnstein. Der Vorteil ist, dass ein Termin dort weniger kostet und auch in die oben erwähnten Freibeträge eingerechnet wird. Im Optimalfall geht man also dorthin, und nur wenn etwas gefunden wird, was der Zahnarzt machen muss – sprich Kronen, Füllungen, Zahnersatz usw. – geht es auf dessen Behandlungsstuhl.

Schweden ist meines Wissens nicht alleine damit, dass Zahnbehandlungen nicht von der Kasse bezahlt werden. Man sieht auf alle Fälle, welche Blüten dies treibt. So wurde mir schon Familien erzählt, die zu Freunden ins Ausland fahren, um dort dann beim Zahnarzt die Zähne machen zu lassen. Das Ganze wird dann als Notfall deklariert, und schon ist die Kasse eher bereit, die Kosten zu übernehmen.

Im Gesundheitssystem arbeiten

Nach einiger Zeit in diesem Land macht sich die Erkenntnis breit, dass die Misere des Gesundheitssystems nicht unbedingt daran liegt, dass zuwenig Geld vorhanden wäre. Es ist auch ein Mangel an Fachkräften, der dies verursacht. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Ärzte Einwanderer sind. Rund ein Fünftel der praktizierenden Ärzte kommt nicht aus Schweden.

Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass zu wenig Fachpersonal ausgebildet wird. Sollte jemand den Beschluss fassen, sich in Schweden zum Arzt ausbilden zu lassen, kann ich dem nur sagen, dass er besser alle Hoffnungen fahren lässt – zumindest, wenn er dieses Studium vom ersten Semester an in Schweden aufnehmen will. Um Arzt, Zahnarzt oder Psychologe werden zu können, muss man Bestnoten haben. Die Studienplätze werden grob gesagt so zugeteilt, dass alle ausreichend qualifizierten Bewerber nach ihren Noten sortiert und dann die besten genommen werden. Bei wenig nachgefragten Studiengängen reicht da schon ein mäßiger Schnitt. Ins Medizinstudium in Schweden kommt kaum einer hinein, der nicht die Maximalpunktzahl hatte – 2,0 Punkte bei der Högskoleprovet sind also praktisch Pflicht, wenn man nicht schon Spitzennoten aus dem Gymnasium mitbringt. Ab und zu reichen auch einmal 1,9 oder gar nur 1,8 Punkte, aber das ist mehr als unsicher. Wartesemester gibt es nicht, und so muss man jedes Semester einen neuen Anlauf wagen, wenn man unbedingt Arzt werden möchte. Wer in Deutschland schon Probleme hatte, einen Studienplatz zu ergattern, kann es hier also gleich vergessen.

Ganz anders sieht es jedoch für Fachpersonal aus, das nach Schweden zum Arbeiten kommen will. Das wird oft händeringend gesucht. Allerdings braucht man natürlich eine schwedische Zulassung. Der schwedische Staat kennt dabei 21 verschiedene Berufe im Gesundheitsbereich. Hat man eine Ausbildung, die einem dieser Berufe entspricht, zumindest annähernd gleichwertig im Umfang ist und aus einem anderen EU/EWG-Land oder der Schweiz stammt, so ist es mit den entsprechenden Dokumenten möglich, eine Zulassung zu erhalten. Kommt man nicht aus einem dieser Länder, muss man ggf. noch eine Nachprüfung ablegen und ein Praktikum machen.

Ärzte, Zahnärzte, Krankenschwestern usw. werden also auf wenige Probleme stoßen und die Arbeitsbedingungen in Schweden mit den angenehmen geregelten Arbeitszeiten, guter Bezahlung und viel Urlaub als sehr angenehm empfinden.

Hat man jedoch eine Ausbildung, für die es keine direkte Entsprechung unter den 21 Berufen gibt, wird es ungleich schwerer. Dies trifft u.a. auf die deutschen Ausbildungen zur Kinderkrankenschwester und zum Altenpfleger zu. Diese Berufe werden vom Socialstyrelsen, der dafür zuständigen Behörde, nicht anerkannt.
Dies hat den Hintergrund, dass es keine schwedische Entsprechung zu diesem Beruf gibt. In Schweden sind diese Berufe eine 1,5- bis zweijährige Spezialausbildung zusätzlich zur Krankenschwester. Also muss man, um sie zu erhalten, erst einmal drei Jahre zur Krankenschwester ausgebildet worden sein. Insgesamt macht das also 4,5 bis 5 Jahre Ausbildung. In Deutschland sind es hingegen nur drei. Hinzu kommt, dass Krankenschwester in Schweden eine Hochschulausbildung ist. Hier findet die Berufsfreizügigkeit innerhalb der EU ihre Grenzen, weil eben nur gleichwertige Ausbildungen konvertiert werden können. Den Klageweg zu beschreiten ist übrigens aussichtslos – das Vorgehen des Socialstyrelsen ist hier anscheinend vollkommen konform mit den entsprechenden EU-Richtlinien.

Das Socialstyrelsen verweist in solchen Fällen darauf, sich an schwedischen Hochschulen zum entsprechenden Abschluss weiterzubilden. Sich direkt an die entsprechenden Hochschulen zu wenden ist nur teilweise von Erfolg gekrönt – im schlimmsten Fall erhält man keine Antwort, im besten erhält man einen Teil der Ausbildung anerkannt, so dass man nicht mehr so lange studieren muss. Unter Umständen muss man aber trotzdem erst einmal die Zulassung zur Hochschule erreichen, und auch wenn man einmal angenommen wurde, muss man sich darum bemühen, dass wirkliche alle zugesagten und erworbenen Hochschulpunkte ihren Weg ins Register finden.
Wird man nicht auf diesem alternativen Wege zugelassen, bleibt nur die Ochsentour: Zulassung erwerben, regulär für die Uni bewerben und die ganze Ausbildung von vorne machen. Man steht in Sachen Noten in direkter Konkurrenz mit allen anderen Bewerbern. Im Extremfall muss man also ein Abitur nachholen und dann das komplette dreijährige Studium machen, um in dem Beruf arbeiten zu können, den man schon zuvor gelernt hat.

Man sollte sich auch darauf einstellen, dass das Studium sich stark von der Ausbildung in den Lehrberufen unterscheidet. Man erwirbt dort einen Bachelorgrad, was darin resultieren kann, dass es irgendein wenig praxisnahes Hauptfach gibt, mit dem zuvor nie zu tun gehabt hat und in dem man eine Abschlussarbeit schreiben muss. Zudem ist das Studium meist erheblich weniger praxislastig – von den 3 Jahren Ausbildung zur Krankenschwester wird typischerweise nur rund ein Drittel in einem Krankenhaus o.ä. verbracht. Die restlichen zwei Drittel sind Universitätskurse und Semesterferien.

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das blog zum mag oder das mag zum blog, wie man es auch immer sehen will :-)
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